Die Zukunft der Orthopädietechnik kommt aus dem 3D-Drucker

stamos + braun prothesenwerk - Produkt-Impression vom Fototermin der OTWorld

stamos + braun prothesenwerk aus Dresden verarbeitet hochtemperaturvernetzende medizinische Silikone mit einem 3D-Drucker. Auf der OTWorld 2016 zeigt das Unternehmen seine Produkte (Foto: C. Günzel)

Orthesen und Prothesen aus dem 3D-Drucker sind bereits Realität. Die modernen additiven Fertigungsverfahren ermöglichen komplexe dreidimensionale Formen bei der Gestaltung von Hilfsmitteln. Innovation, 3D-gedruckt: Die neuesten 3D-gedruckten Produkte stellt die Weltleitmesse OTWorld vom 3. bis 6. Mai 2016 in Leipzig vor. Zu den Ausstellern gehört die stamos + braun prothesenwerk GmbH aus Dresden, die unter anderem eine neuartige Silikonvorfußprothese mit integriertem Vorfußpolster präsentiert. Dafür werden hochtemperaturvernetzende medizinische Silikone mit einem 3D-Drucker verarbeitet. Im Ergebnis wird eine deutliche Gewichtsreduzierung erreicht – denn eines der großen Probleme bei der Versorgung von Patienten mit Silikonvorfußprothesen stellt das Eigengewicht der Prothese dar. Zudem sind die Produkte aus dem 3D-Drucker reproduzierbar.

Alexander Stamos, Christoph Braun, stamos + braun prothesenwerk

Alexander Stamos (li.) und Christoph Braun, stamos + braun prothesenwerk (Foto: C. Günzel).

“Wenn ein Patient nach drei Jahren sagt, er hätte diese Vorfußprothese gern noch einmal, dann geht dies bei 3D-Druck hundertprozentig”, so Prothesendesigner Alexander Stamos und Orthopädietechnikermeister Christoph Braun, die ihr Unternehmen vor rund zwei Jahren starteten. Sie setzen darauf, dass sich Prothesen in Zukunft auch ortsunabhängig herstellen lassen. Zum Beispiel, indem die Patienten in speziellen Zentren digital gescannt und die Daten dann in ein Druck-Werk irgendwo auf der Welt geschickt werden. Von dort ginge die fertige Prothese retour. Der Auftritt von stamos + braun auf der OTWorld steht unter dem Motto “Handwerk trifft Kunst”: “Wir zeigen, was silikontechnisch machbar ist und wie nah die Prothese an das Original herankommt.”

3D-Druck: Schicht für Schicht zum Produkt
Additive Fertigung bedeutet, mit 3D-Druckern dreidimensionale Objekte zu produzieren. Bei diesem Verfahren, das als Rapid Prototyping bekannt wurde, wird ein am Computer mittels entsprechender Software generiertes 3D-Modell Schicht für Schicht aufgebaut – zum Beispiel aus flüssigem Kunststoff, per Spritzdüse auf eine Grundfläche aufgetragen. Ist eine dünne Lage fertig, wird die Fläche abgesenkt. Die nächste Lage folgt. Bis das vollständige Produkt entstanden ist, kann es mehrere Minuten bis Stunden dauern. Zum Einsatz kommen verschiedenste Materialien – unter anderem Kunststoffe, Harze, Keramik, Metalle, Papier… Die Ursprünge des 3D-Drucks gehen in die 1980er-Jahre zurück und inzwischen hat er seinen Siegeszug durch alle Branchen angetreten. Gegenüber herkömmlichen Verfahren bietet der 3D-Druck Kosten- und Zeitvorteile sowie vor allem große gestalterische und konstruktive Freiheit. Er ermöglicht individuelle, hochkomplexe Geometrien und innere Strukturen, die konventionell nicht herstellbar wären. In der Medizin wird er unter anderem bei der Herstellung von Zahnimplantaten, Einlagen oder Prothesen eingesetzt.

2 Gedanken zu „Die Zukunft der Orthopädietechnik kommt aus dem 3D-Drucker

  1. Pingback: Willkommen in Digitalien! | Cathrin Günzel

  2. Guten Tag und Danke für Ihren informativen Blog mit Thema 3D Druck in der Medizin.
    Es ist ein grosses Geschenk an Alle, die eine Prothese benötigen.
    Der 3D Druck ermöglicht, wenn man ihn mit einem Ct kombiniert eine Produktionsgenauigkeit, die kein Mensch jemals leisten könnte.
    Das Resultat sind Prothesen, die sitzen wie angegossen.
    Davon profitieren natürlich die Patienten aber auch die Reha-Häuser sehr. Diese Technik bringt sehr vielen Menschen ein Stück Lebensqualität zurück, die sie dringendst benötigen.
    LG
    Stef

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