Sind QR-Codes auf Visitenkarten sinnvoll?

Axel Klarmann

Axel Klarmann (Foto: Klarmann)

QR-Codes auf Visitenkarten? Nicht unbedingt nötig, aber durchaus ein hilfreiches Gimmick. Sie sollten auf jeden Fall in eine QR-Strategie eingebettet werden – so Axel Klarmann, technischer Geschäftsführer der Internetagentur ZWONULL MEDIA und QR-Code-Experte, im Interview.

Wie oft begegnen Ihnen QR-Codes auf Visitenkarten?
Klarmann:
Selten, vielleicht auf zwei von 300 Karten. Meist auf Klappkarten.
Ist es denn sinnvoll, seine Visitenkarte mit einem QR-Code zu bereichern?Klarmann: Nun, wenn es ausschließlich darum geht, modern zu erscheinen – nein. Der Hype ist vorbei, der Lack ist ab und QR-Codes sind in der Realität, im Marketing-Alltag sowohl B2C als auch B2B angekommen. Wesentlich ist das Konzept, welches hinter dem Einsatz liegt, der Nutzwert, der generiert wird. Denn der QR-Code nimmt nicht unwesentlich Platz ein. Je mehr Informationen ich hineinpacke, desto größer muss er sein, spielt sich manchmal sehr in den Vordergrund und verdrängt imagetragende Elemente. Sinn ist, Lücken zwischen analoger und digitaler Welt zu schließen – welche das im konkreten Fall sind, sollte vorab überlegt werden.
Welcher Inhalt wäre denn auf der Visitenkarte sinnvoll?
Klarmann:
Jedenfalls ein mobil optimierter. Interessant an einer vCard (vcf) ist: Der Nutzer muss nicht online sein. Der Nachteil: Die Codes werden sehr groß und letztlich ist der Nutzen nicht sonderlich hoch. Vorteil bei einer Webadresse – gegebenenfalls über einen URL-Shortener: Ich kann alle möglichen Daten dahinter legen, auch eine vcf zum runterladen. Und ich kann tracken, wie häufig der Code verwendet wird. Nicht zuletzt kann ich meine Kontaktdaten auf Social-Media-Profilen freigeben und damit direkt zur Vernetzung einladen. Nicht zu vergessen: Auch Sicherheitsaspekte sind relevant – gerade im B2B-Bereich bestehen Befürchtungen, sich etwas “einzufangen”. Die Adressaten sollten erfahren, was sich hinter dem Code verbirgt.
Sie sprachen von einem Gesamtkonzept…
Klarmann:
Ja, man sollte sich darüber Gedanken machen, wo für die eigenen Kunden beim Umgang mit dem Unternehmen Lücken zwischen analoger und digitaler Welt bestehen, die ein QR-Code schließen kann – und dann wäre die Visitenkarte nur Teil eines Gesamtplans. Mit dem Geschäftspapier, den Rechnungen oder Lieferscheinen setzt sich dies fort – so lassen sich die Kontoinformationen, die umständlich einzutippende IBAN im QR-Code kundenfreundlich übermitteln. Ein praktisches Beispiel dafür ist Bezahlcode.de, den kann man auf die Rechnung drucken, in Shopsysteme integrieren. Andererseits gibt es genauso Codes, die ein Verfallsdatum haben und nur mit bestimmten Scanner-Apps gelesen werden können – wäre vielleicht für temporäre Visitenkarten für eine spezielle Veranstaltung interessant.
Wie lange sind die kostenlosen Codes eigentlich gültig?
Klarmann:
Sie haben keine Mindesthaltbarkeit. Allerdings kann sich natürlich der Anbieter aus dem Markt verabschieden. Bei den kostenfreien URL-Shortenern ist nicht garantiert, dass die Short URL, also die Kurzadresse, ewig existiert.
Welche Möglichkeiten gibt es hinsichtlich moderner Visitenkarten ansonsten noch – und wohin geht die Entwicklung?
Klarmann:
Für den Austausch von Visitenkartendaten gibt es Matchmaking-Apps – da braucht man gar keine Papierkarte mehr. Allerdings muss die Gegenseite dieselbe App verwenden. Bei den QR-Codes wird technologisch nicht mehr viel passieren, die Entwicklung ist ausgereizt. Aber contentseitig kann es noch spannend werden. Da ist uns Asien um Längen voraus – ich denke nur an das Tesco QR Shopping in Südkorea, wo ein U-Bahnhof mit virtuellen Supermarktregalen gepflastert war. Jedes dargestellte Produkt war mit einem QR-Code versehen, konnte gescannt und sofort gekauft werden. Die Zukunft liegt aber sicher in der Near Field Communication (NFC). Die Tags lassen sich berührungslos auslesen. Der Nutzer muss sich nur in die Nähe begeben, keine Kamera-App öffnen. NFC wird das Mittel der Wahl, sobald die Chips – die heute noch zehn bis 20 Cent kosten – billiger sind.

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