Sicherer handeln: Mehr Schutz vor Kriminellen

Überfälle, Einbrüche, Trickdiebstahl: Mit ihrer hochwertigen Ware befinden sich Uhren- und Schmuckfachhändler stets auch im Visier von Kriminellen. Über Präventionsmöglichkeiten im Geschäftsalltag informiert die Diskussionsrunde „Sicherheit für Ihr Fachgeschäft“ im Fachprogramm der Uhren- und Schmuckmesse MIDORA Leipzig, die vom 3. bis 5. September 2016 stattfindet.

Auch kleine Läden in Gefahr

“Nicht nur große Juweliere sind für die Täter interessant, sondern genauso kleinere Geschäfte mit 20- oder 30.000 Euro Wareneinlage”, betont Sebastian Göttert, Leiter der Abteilung VALORIMA der Mannheimer Versicherung AG, der Tipps aus der Sicht eines Versicherers geben wird. “Es gibt kein Nord-Südgefälle mehr, kleinere Städte und ländliche Regionen sind ebenso betroffen. Der Goldpreis tut ein Übriges – neben teuren Markenuhren ist Schmuck mit hohem Edelmetallanteil bei Dieben begehrt.”

Sicherheitslücken schließen

Oft nutzen die Täter laut Göttert Defizite aus wie einfach verglaste Schaufenster, fehlende Alarmanlagen oder schlecht verankerte Tresore, die Einbrecher gleich komplett mitnehmen. Spektakulär seien Blitzeinbrüche, bei denen ein Auto direkt ins Geschäft rase: “Hier können Poller vorbeugen.”

Aufmerksam bleiben

Eine Einladung an Kriminelle seien organisatorische Mängel wie unversperrte Nebeneingänge oder fehlende Achtsamkeit: “Zum Beispiel morgens die Tür zum Lüften aufzumachen und gleichzeitig das Schaufenster zu dekorieren, während der Tresor offensteht…” Oder der Verkäufer lasse im Kundengespräch den Schlüssel an der Vitrine stecken bzw. lege Schmuckstücke aus und drehe sich weg vom Tresen, um Ware zu holen. “Die Chance für Trickdiebe! Deshalb: Nie mehr als einen Kunden bedienen – und im Zweifel das Verkaufsgespräch abbrechen.”

Eintritt nur nach “Gesichtskontrolle”

“Raubüberfälle mit Waffengewalt sind unser Hauptproblem”, unterstreicht Frank Belger, Obermeister der Gold- und Silberschmiedeinnung für den Kammerbezirk Leipzig. “Ich selbst war davon schon betroffen.” Zudem sei sein Laden leer, wenn er in der Werkstatt arbeite – dies könnten Kriminelle nutzen. Deshalb hat sich der Goldschmiedemeister entschieden, sein Geschäft mit einer Einlasskontrolle abzusichern: “Die Tür ist mit elektronischer Schließtechnik immer verschlossen. Die Kunden klingeln und über Video sehe ich, wer draußen steht.” Seine Erfahrungen: “90 Prozent der Kunden akzeptieren dies. Gerade bei hochwertigen Schmuckstücken schätzen sie zudem vertrauliche 4-Augen-Gespräche.”

Fachgeschäfte rüsten auf

Security und Eingangsschleusen wie die großen Geschäfte in der City könne eine kleine Goldschmiede nicht finanzieren, erklärt Belger. Doch Panzerglasscheiben, alarmgesicherte Schau- und Türfenster, Videoüberwachung inklusive Aufzeichnung gehören bei ihm zum Sicherheits-Pflichtprogramm. “Nachts lege ich den Großteil der Ware in den Tresor. Für die Dekoration gibt es spezielle Tages- und Nachtbefüllungen.”

INTERVIEW
Überfall: Täter schlagen am Tag zu
Kriminalhauptkommissar Matthias Bradtke von der Polizeilichen Beratungsstelle der Polizeidirektion Leipzig klärt auf dem MIDORA-Podium über charakteristische Vorgehensweisen sowie Präventionsmöglichkeiten auf.

Wie läuft ein typischer Überfall ab?
“Ein typischer Überfall dauert drei bis fünf Minuten, erfolgt sehr überraschend während der Öffnungszeit und der Täter droht mit einer Waffe – meist einer Schusswaffe. Seltener ist eine Attacke bei Betreten oder Verlassen des Geschäfts.”

Wie sollten Inhaber und Personal reagieren?
“Leben und Gesundheit sind am wichtigsten! Zügig auf die Forderungen eingehen, Hektik vermeiden, keinesfalls Widerstand leisten.”

Was ist nach einem Überfall wichtig?
“Die Polizei rufen, das Geschäft schließen und am Tatort nichts verändern. Hilfreich für die Fahndung sind Merkmale wie Geschlecht, Statur, Dialekt, Alter, Fluchtrichtung und -fahrzeug. Wenn möglich, bis zum Eintreffen der Polizei Notizen machen.”

Kann sich ein Geschäftsinhaber auf eine solche Situation vorbereiten?
“Wer im Umfeld seines Geschäfts verdächtige Personen oder Fahrzeuge bemerkt, sollte die Polizei informieren. Profitäter spionieren ihre Opfer vorher oft aus. Außerdem helfen wir kostenfrei beim Erstellen von Sicherheitskonzepten, bieten Schulungen an: Kritische Situationen werden simuliert, damit die Lage im Ernstfall nicht eskaliert.”

Der Artikel und das Interview erschienen in etwas modifizierter Firm in den MIDORA News 2016 – dem Magazin der MIDORA Leipzig.

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