Logistik: Auf dem Weg zum Krankenhaus 4.0

Bestmöglich versorgte Patienten durch optimierte Prozesse: Der mit 6.000 Euro dotierte Leipziger Preis für Krankenhauslogistik wurde auf der med.Logistica 2017 erstmals vergeben. Gewinner ist Michael Kazianschütz, MBA, MSc, Leiter der Stabsstelle Logistik am LKH-Universitätsklinikum Graz, für die “Implementierung des Gesamtkonzepts Logistik auf Basis des SCOR-Prozessmodells am LKH-Univ. Klinikum Graz”. Eine neunköpfige Fachjury aus Wissenschaft, Industrie und Praxis bewertete 22 Einreichungen aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz.

Gesundheitswesen: Logistik stärker im Fokus

“Der Leipziger Innovationspreis für Krankenhauslogistik verschafft der Logistik im Gesundheitswesen noch mehr Gehör. Wir sind stolz, dass unser Ansatz mitunter unterstützende Prozesse auf Basis des SCOR-Modells darzustellen, in der Branche für Furore sorgt”, betont Preisträger Michael Kazianschütz vom LKH-Univ. Klinikum Graz, einem Spital mit etwa 1.500 Betten und 7700 Mitarbeitern sowie pro Jahr 1,2 Millionen Behandlungen bei rund 84.000 stationär und etwa 400.000 ambulant betreuten Patienten. “Nicht zuletzt bedeutet der Preis enorme Reputation für das gesamte Klinikum und würdigt die harte Arbeit der letzten Jahre”, ergänzt Mag. Gebhard Falzberger, Betriebsdirektor des Klinikums.

In den letzten drei Jahren wurde am Grazer LKH-Universitätsklinikum ein komplett neues, nun preisgekröntes logistisches Gesamtkonzept installiert. Als Bestandteil des Supply-Chain-Managements gingen parallel ein neues Versorgungszentrum sowie ein Transportleitsystem in Betrieb, welches Speisenversorgung, Materialwirtschaftsgüter, Apotheken- inklusive Kühlware einbindet und künftig Lebensmittel- und Getränkeauslieferung sowie Wäsche- und Sterilgutversorgung einbinden soll. Eine über Jahrzehnte, mitunter seit 1986, heterogen gewachsene und teilweise intransparente Logistiklandschaft wurde ersetzt. Kazianschütz: “Das bisherige System war nicht aus einem Guss, weniger ineffizient und auf künftige Anforderungen nicht unbedingt ausgelegt.” Der Preis werde nun weitere Innovationen antreiben.

Logistik: Krankenhäuser im Umbruch

“Wir verzeichnen bereits jetzt großes Interesse anderer Einrichtungen an unserem Gesamtkonzept Logistik, speziell von anderen Universitätskliniken. So gab es in den vergangenen Monaten bereits einige Besichtigungen durch Kollegen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich”, berichtet Mag. Falzberger und Michael Kazianschütz MBA, MSc, fügt hinzu: “Die Krankenhauslandschaft befindet sich speziell auf dem Gebiet der Logistik in einer Zeit des Umbruchs. Der Begriff Industrie 4.0 wurde auf dem Gesundheitssektor lange Zeit ignoriert. Doch inzwischen macht man sich immer mehr Gedanken, welche Technologien nutzbar wären – Stichworte sind RFID-Lösungen, Transportleit- oder fahrerlose Transportsysteme. Das Krankenhaus 4.0 hält Einzug.”

Optimierte Prozesse: Flaschenhälse eliminiert

Erste Erfolge des neuen Gesamtkonzepts Logistik und der damit verbundenen standardisierten Arbeitsweise seien bereits deutlich sichtbar, erklären Betriebsdirektor Mag. Falzberger sowie Logistikexperte Kazianschütz. Auch wenn genaue Ist-Soll-Kennzahlen erst in einem weiteren Schritt erhoben werden.

Vorteil laut Kazianschütz: Jederzeit ist in Echtzeit nachvollziehbar, wo sich die Ware befindet, wer sie wann und wo übergeben hat. “Vor der Einführung des Transportleitsystems warteten die Mitarbeiter bis zu 30 Minuten in den Kopfbahnhöfen auf die Essenslieferung. Oft wussten sie nicht, wie viele Wagen kommen und fuhren mehrfach mit dem Aufzug in den Logistiktunnel hinunter, um nachzusehen.” Das Vermeiden unnötiger Fahrten entlaste die Aufzüge enorm. Außerdem ließen sich die Transporte besser planen: So hätten die Transportwagen vormals “viel Luft” befördert – nun werde der Platz optimal ausgefüllt und die Zahl der Wagen reduziere sich.

Prozesse entzerrt

“Zwei Jahrzehnte lang fielen Anlieferungen von Materialwirtschaftsgütern und Apothekenwaren auf denselben Tag. Aufgrund der Prozessanalysen haben wir dies entzerrt”, erläutert Kazianschütz. “Die alternierende Lieferung nivelliert Spitzen, schafft mehr Platz in den Kopfbahnhöfen und vermindert den Stress. Insgesamt versuchen wir hier insbesondere Lean-Management-Ansätze zu verfolgen.” Die Lagerbestände sowie die Zahl abgelaufener Medikamente seien geschrumpft: Statt eines kleinen Abfallbehälters müsse am Monatsende nur noch eine Handvoll Arzneien entsorgt werden. Schließlich entlaste die Einführung einer eigenen Versorgungsassistenz das am Patienten tätige Pflegepersonal.

Transparente Wertschöpfungskette in Teilkonzepten

Zur Analyse der Logistikflüsse entschied sich die Stabsstelle Logistik am LKH-Univ. Klinikum Graz für die Adaption des SCOR-Modells (Supply-Chain-Operations-Reference-Modell), welches in anderen Branchen seit 1996 eingesetzt wird: “Das SCOR-Modell bietet durch seine Kernsäulen source/beschaffen – make/herstellen – deliver/liefern eine ideale Basis, um logistische Kernprozesse im Gesundheitswesen visuell darzustellen, Verbesserungspotenziale zu erkennen”, unterstreicht Stabsstellenleiter Kazianschütz. Darüber hinaus werde dadurch ermöglicht, ineinandergreifende Prozesse oder Prozesselemente zueinander in Beziehung zu setzen.

“Das von uns aufbereitete Gesamtkonzept Logistik zeichnet sich im Wesentlichen durch aufeinander aufbauende Teilkonzepte aus, welche die gesamte Supply Chain eines Krankenhauses von Wareneingang bis zur Lieferung an den ‚point of use’ beinhaltet und transparent abbildet”, so Kazianschütz. Weiters sind der Einsatz der Versorgungsassistenz sowie die elektronische Anforderung und Genehmigung im SAP-MM als eigene Teilkonzepte konzipiert und umgesetzt worden. Ein Notfallkonzept rundet künftig alles ab: Erarbeitet würden unter anderem präventive Szenarien, um Patienten auch bei Stromausfall mit Essen oder Medikamenten zu versorgen. Kazianschütz: “Die Kombination des SCOR-Modells mit den einzelnen Teilbereichen der Logistikkette, implementiert in einem Krankenhaus unserer Dimension – das war der innovative Ansatz unserer Preiseinreichung.”

Im Jahr 2011 habe ich den erfolgreichen Start der med.Logistica im Auftrag der Leipziger Messe begleitet und die Pressearbeit des neuen Kongresses für Krankenhauslogistik mit Fachausstellung betreut. Dazu gehörten: Redaktions- und Verbandskontakte herstellen/pflegen, Pressemitteilungen, News, Grußworte erstellen sowie das Vorbereiten eines Get togethers für Journalisten.
Auch bei den Folgeveranstaltungen habe ich die Pressearbeit unterstützt. 2015 habe ich die Pressearbeit nochmals kurzfristig bis zum Kongressende übernommen (Beispiel: Abschlusspressemeldung der med.Logistica 2015: Vom Geheimtipp zum Branchenprimus: med.Logistica mit Rekordergebnis). Beispiele für Pressemeldungen außerdem: “Optimale Prozesse im Krankenhaus“, “Mehr Transparenz im OP durch Fallwagen“, “Klinische Textilien: Mehrweg im Vorteil“. Seitdem ist erneut eine Pressesprecherin des Unternehmens dafür im Einsatz.
Bei der med.Logistica 2017 habe ich unter anderem Pressemeldung und Film zum neuen Leipziger Preis für Krankenhauslogistik inhaltlich vorbereitet bzw. erarbeitet.

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